Mittwoch, 25. Januar 2006

"Der Duft des Urlaubs"

Gestern war ich mal wieder auf einer Weinprobe ... und die kann ja heftig enden, wenn man nicht fachgerecht in die Kübel ausspuckt oder auf nüchternen Magen die Weine zulange im Mund spült ...
Wir hatten ein Repertoire von über 200 Weinen zum Verkosten. Gerade bei Regionen, die man nicht so kennt, neigt die Neugier dann doch dazu, wirr gleich beim ersten Winzer die ganze Palette zu degustieren. Diesesmal verhängte ich mir selbst eine Art selektive Schlucksperre. D. h ich wählte mir einen Querschnitt von etwa 20 Degustationsweinen aus, die ich frei nach Namen wählte! Auch ein Kriterium. Also ließ ich mich von einer liebesroten Flüssigkeit anziehen, die "Fronton Egoiste" hieß. Ein überzeugender, prickelnder Roséwein, der mich in alberne Stimmung katapultierte. Parlierend über wärmere Temperaturen (in Berlin hatte es Minus 25 Grad) kam mir der weiße Vin de Table "Parfum de Vacances" (Duft des Urlaubs) gerade recht. Und was will man im Urlaub gerne? Natürlich laue Mondnächte, also probierte ich den "Vin de Lune" und liebäugelte mit dem "Grain d'Amour". Der Abend endete zwei Türen weiter im Karneval, doch davor hatte ich noch ein Schlückchen "Princesse Emilie" nicht mehr ausgespuckt.
Fazit: Liebe Winzer, Eure guten Weine verkaufen sich bestimmt noch besser, wenn ihr diesen kostbaren Flüssigkeiten einfach leidenschaftlichere Namen gebt. Und nicht so abtörnende Bezeichnungen wie z.B. "Kröver Nacktarsch", "Deidesheimer Garten" oder so ähnlich. Wie wäre es stattdessen mit "Liebeszauber", "Götternektar", "Aromablume", "Sommernachtsstrunk" oder "Rendevous"?

Donnerstag, 19. Januar 2006

Quickies aus der Küche

Auch wenn es denn mal wieder schnell gehen soll, möchte der Feinschmecker nicht auf Genuss verzichten. Am besten geht das mit dem Wok. Frische Gemüse von Möhren, Sellerie, Lauch, Zucchini, Sojabohnensprossen oder Champignons einfach klein schneiden. Zusammen mit etwas gewürfeltem Ingwer, Knoblauch und Zwiebeln im Wok unter Schwenken anbraten. Mit einem Teelöffel Chilipaste würzen und mit Sojasauce beträufeln. Dazu gibt es Krupuk (frittiertes Krabbenbrot) und ruckzuck ist die Essensfrage gesund geklärt. Für noch schnellere Quickies empfehle ich: Eine Birne oder einen Apfel in feine Blätter hobeln und auf einem Teller breitflächig ausbreiten. Mit Parmesanspänen und klein geschnittenem Ruccola bestreuen und mit Aceto balsamico sowie mit Olivenöl beträufeln. Leicht salzen und pfeffern und fertig ist das köstliche Gericht. Dazu frisches Baguette und ein schönes Glas Rotwein genießen.

Mittwoch, 18. Januar 2006

...ebenso leicht wie ein Flirt...

Vor etwa 50 Jahren wünschte sich die Contessa Amalie Nani Mocenigo ein Gericht , das "so leicht ist wie ein Flirt und so kapriziös wie ein Schmetterlingsflügel". Guiseppe Cipriani, Besitzer von Harry´s Bar in Venedig kreierte für die Contessa ein Gaumenerlebnis besonderer Art: rohes, hauchdünn geschnittenes Ochsenfilet mit einem Tupfen Salsa Universale. Das Ganze nannte er Carpaccio, nach dem venezianischem Maler Vittore Carpaccio, der für seine dünnen Farbschichten bekannt war.
Dieses Original diente so manchem "Kochkünstler" als kreative Kopie für oftmals schlecht zubereitete Plagiate. Das schlimmste, was ich jemals bestellt habe, war "Semmelknödelcarpaccio mit Parmesan und Pesto". Das zweitschlimmste war "Carpaccio vom Spargel mit Eiersauce". Die geschmacklichen Verbindungen waren daran sogar gar nicht schlecht. Doch - warum muss ein Name von einem Original so schändlich missbraucht werden, nur um, wie in diesen Fällen, auszudrücken, dass die Speisen dünn und breitflächig auf den Tellern ausgelegt werden? Beispiele gibt es zuhauf: Lasagne vom Fisch oder Tira mi Su mit Erdbeeren. Hallo Köche, seid doch einfach mal auch bei der Namensgebung kreativ: Geschichtete Nudeln mit Fisch, Beschwipstes Biskuit mit Erdbeeren - oder so ähnlich.

Freitag, 13. Januar 2006

...aber die Sauce!

Je mehr der Fitnesswahn(sinn), die Diäten und die vielen Ratgeber zu allen erdenklichen Themen (z. B. wie halte ich mein Gewicht") überall in den Medien (auf)lauern, animiert mich gerade dies genau zum Gegenteil. Ich denke dabei an manche verschwendete 14 Tage, in denen ich mich kasteit habe und letztendlich nur 2 Wochen Genuss verloren habe. Und genau deswegen werde ich am Wochenende kulinarisch gnadenlos zuschlagen. Zuerst wird es einen ganz harmlosen gemischten Salat mit Grissini, die ich mit San Daniele Schinken umwickle - quasi Schinkengriffel, geben. Zum Hauptgericht werde ich ein riesig dickes Steak braten. Dieses lösche ich mit 1 Flasche Cognac ab. Sobald die Flüssigkeit aufkocht, werde ich 1/2 Flasche Sherry medium dazugießen. Während dem Reduzieren der Flüssigkeit werde ich sicherlich öfter umrühren und natürlich probieren, um auf dem jeweiligen Geschmackslevel mitreden zu können. Parallel dazu bewache ich die Süßkartoffeln, die roh in Scheiben geschnitten, in der 2. Pfanne brutzeln. Ob ich nach diesem Hauptgericht noch fit für ein Dessert bin, weiß ich nicht. Aber sicherlich werde ich mir ein Gläschen PX, Pedro Ximinez, einen mahagonifarbenen Sherry, gönnen und den Mund so richtig ausölen ... Das Dessert wartet allerdings im Kühlschrank: Tira mi Su, die Biskuits tränke ich mit süßem Sherry und Espresso und die Creme ist eine Mischung aus Mascarpone und Eierlikör. ... ach geht es mir gut, blöde Diäten.

Sonntag, 8. Januar 2006

"Gequälte Brötchen"

Teenies interessieren sich nicht nur für Fastfood, Sex & Crime, nö, sie haben auch erstaunlicherweise das Kochen entdeckt.
Mit Jamie Oliver begann letztendlich alles. Es war hipp über Jamie zu parlieren und zum Thema Kochen auch mal was sagen zu können: "Habt ihr die Fleischklösschen aus der Thermoskanne schon probiert? " Oder "Jamies Schooldinner würde ich mir auch reinziehen..." Ja unsere Jugend entdeckt mit coolen Jungs das Kochen, wobei Zacherl ja nicht so der Hit war (laut Umfragen), aber Tim Mälzer gefällt allen. Du brauchst nur so ein T-Shirt mit rebellischem Aufdruck überziehen, dir dein Image mit Kahlrasur verpassen oder Bartstreifen durchs Gesicht ziehen und du bringst die Jugend zum Kochen.
Jungs schwärmen von Sarah Wiener, dass sie so sexy sei, wobei das egal ist, Hauptsache sie kriegen ein bisschen mit, was Sarah im Topf schmort.
Meine Beobachtungen machen mich sehr zufrieden, denn wir brauchten "krasse, coole Typen", die unserer Jugend per TV verklickern, was ihren Body auf Touren bringt und was ihn abtörnt. Die Botschaft ist angekommen.
Wer aber lieber liest, dem sei ein nettes "Koch-Lesebuch" zu empfehlen: "Gequälte Brötchen", erschienen im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf. Die Autorinnen Jovanka v. Willsdorf & Crish Klose erzählen auf 180 Seiten über den lebensnotwendigen Luxus und dem Vergnügen vom Kochen.

Mittwoch, 4. Januar 2006

Notlügen sind manchmal erlaubt

Dem Genuss auf der Spur und dabei mehrmals die Woche auf den verschiedensten, kulinarischen Veranstaltungen verweilend - das birgt des Öfteren Überraschungen. In positiver wie auch in negativer Hinsicht.
Bei unliebsamen Kulinaritäten halte ich die Höflichkeit in Grenzen, denn meine somatische Intelligenz gibt mir ganz klar zu verstehen, wann ich mir persönlich eine "Mundsperre" verhänge.
Sicher bin ich durch meinen Beruf mehr zum Gourmet, als zum Gourmand geworden. D. h., dass ich grundsätzlich immer die Hälfte esse (schon aus Gewichtsgründen) und auch nur (wenn möglich) Gerichte esse, die ich noch nicht kenne (kommt selten vor). Doch ich lehne es ab, zu Tode frittierte Gummireifen (Tintenfischringe) oder geschundene, gebratene Fleischstücke zu essen, die saft- und kraftlos auf dem Teller liegen. In solchen Fällen verweise ich gerne darauf, dass ich Vegetarierin sei. Aber - es gibt auch die verkochten Gemüse, die labbrig und farblos in zu viel Fett schwimmen. Hier erwähne ich gerne, dass ich momentan ein Buch über Rohkost schreibe und natürlich immer das lebe, an dem ich gerade arbeite. Übrigens - im Dessertbereich kann man sich auch einige nette Allergien ausdenken. Z. B. bei Nüssen schwillt meine Lippe an etc., weil eben Nachspeisen bei der Herstellung auch ziemlich vergewaltigt werden können.
Ich denke, dass Notlügen erlaubt sind, wenn es einen körperlichen Angriff darstellt - quasi als Notwehr.
Anmerkung: Mein neues Buch "Rohkost aus dem Paradies" (erschienen im Seehamer Verlag) ist als bestes, vegetarisches Kochbuch 2005 in Deutschland, vom Gourmand World Cookbook Award ausgezeichnet worden.

Dienstag, 3. Januar 2006

Was sind das bloß für Typen?

Diese Hobbyköche! Die, vor denen keiner sicher ist, weil sie uns ihre Künste und vor allem ihr kulinarisches Wissen immer wieder gerne unter die Nase halten. Weinkenner sind sie natürlich auch und keine noch so verborgene Rebenproduktionsstätte ist ihnen fremd.
Vor allem hilft da nur eines: Die Einladung annehmen, auf selektives (Zu)Hören stellen, wohlwollend dem Künstler Ovationen schenken - und dafür ein wunderbares Essen mit ausgesuchten Weinen zu degustieren.
Aber - Sie können diesen Typ beobachten und nach meiner Auswahlliste entsprechend einordnen. Ist auch sehr hilfreich, wenn dieser Typ Hobbykoch als zukünftiger Lover/Partner/Mitbewohner oder was auch immer in Frage kommen sollte.
Typ Hobbykoch
a) Der Konservative - Hauptsache keine Experimente. Alles traditionelle Küche. Sushi, Tapas und Dim Sum sind für ihn exotische Inseln.
b) Der Chaot - Leidenschaft, Muße, Erholung, Experimente - alles ist für ihn eine Symbiose. Er ist für Überraschungen gut. Den Abwasch hinterlässt er entsprechenden Bewunderern.
c) Der Penible - Ordnung pur, am liebsten würde er die Spaghetti einzeln waschen und trockentupfen. Er kann nur explizit nach klaren Anweisungen aus Kochbüchern arbeiten.
d) Der Kosmopolit - Krokodil und Schlange hat er gegessen, über Pacific Rim und Crossover-Küche parliert er genauso wie über Adrian Ferrán oder über die besten Spätzle, die er jemals gegessen hat. Sehr neugierig und phantasievoll.
e) Der Eilige - steht für schnell und gut. Er verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen. Die Kücheneinrichtung ist eher spartanisch. Hält sich nicht mit Kleinkram auf.
f) Der Lustlose - isst und kocht sich quer durch die Esslandschaft, auch wenn es Fertigmahlzeiten sind. Kommt nur in Koch-Hochform , wenn er z. B. verliebt ist. Lässt sich aber anschließend gerne den Kochlöffel wieder aus der Hand nehmen.
g) Der Einfallsreiche - er beherrscht die Kulinarik mit allen Sinnen. Er zelebriert regelrecht Mahlzeiten, ist aber auch am Dönerstand anzutreffen und diskutiert mit vollem Mund über die Jahrhundertweingänge. Absolut liebenswert, weil ihm eben Qualität über alles geht.
Anmerkung: Wolfgang Joop ist ein begeisterter Hobbykoch, gibt sich als Küchen-Chaot und hat ein Kochbuch "Hectic Cuisine" (erschienen im Hölker Verlag) geschrieben.

Montag, 2. Januar 2006

Vom "Anfetten" und "Entfetten"

Wie sagte ein Redakteur einer Frauenzeitschrift so schön: "Von November bis Dezember werden unsere Leserinnen schön angefettet und im Januar dann entfettet".
Das ist vielleicht das Geheimnis der großen Auflagen, speziell in diesen Monaten, weil "Frau" in einem gewissen Alter noch alles glaubt, was in solchen Zeitschriften steht. Es klingt einfach zu verführerisch, dass Low-fat-Plätzchen nicht am Hosenbund kneifen, die Gans ja nicht ganz so fett ist und die kalorienreduzierten Rumkugeln nicht unbedingt ins Rumkugeln ausarten.
Im Januar ist dann wieder alles ganz anders: Sämtliche Diäten von Trennkost bis zur Ananas- und Sauerkrautdiät treten in Wettstreit, damit die Feiertagspfunde in rasanter Geschwindigkeit dahinschmelzen können/sollen.
Doch was ist die richtige Diät?
Diät heißt übersetzt schlichtweg Lebensform. Und genau das sollte man überprüfen, ohne mit Crashidäten nicht nur den Körper, sondern auch die Seele zu stressen. Mein Rat: Falls Sie sich zu dick fühlen, führen Sie einfach vier Wochen ein Ess-Tagebuch. Listen Sie alles auf, was Sie tagtäglich zu sich nehmen, auch die Getränke. Nach einer persönlichen Analyse, werden Sie bestimmt feststellen, wo Ihre individuellen "Fettnäpfchen" beseitigt werden können. Und als Fazit langfristig einfach vernünftig essen und trinken. Nur so können Sie den berühmten Jojo-Effekt eliminieren! Guten (H)appetit.

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