Samstag, 31. Dezember 2005

(K)eine verhängnisvolle Affäre

Silvester ohne Alkohol ist fast unmöglich, es sei denn, Sie trinken aus Prinzip keinen Alkohol, gehören einer entsprechenden Konfession an, die es verbietet oder vertragen ihn einfach aus gesundheitlichen Gründen nicht. Doch warum artet es immer in Katzenjammer aus? Weil wir zuviel trinken oder nicht fachgerecht trinken? Um einigermaßen gewappnet zu sein, sollte man eine "handfeste Unterlage" schaffen. Die kann z. B. aus einer feurigen Gulaschsuppe mit einem Extra Schuss Olivenöl, quasi nach dem Motto "Vorher feurig, nachher sauer", bestehen. Oder einer entsprechenden Vorsorge, das aufgelöste Aspirin-Sprudelwasser schon vorher als Prophylaxe, zu trinken. Die solide Grundlage einer deftigen Speise muss stimmen, dann hat der Alkohol auch ein richtiges "Bett". Wenn möglich, bleiben Sie bei einem Getränk und trinken Sie nicht durcheinander. Immer viel Wasser dazu trinken, damit das Gleichgewicht stimmt. Bei Wein z. B. wird empfohlen nur stilles Wasser dazu zu trinken, weil kohlensäurehaltiges Wasser den Alkohol zu sehr unterstützt. Und daran denken, bei einer langen Nacht immer wieder dazwischen kräftig essen, dann hat der "Kater" keine Chance. Und Sie wachen nicht mit einer "verhängnisvollen Affäre" ... auf.

Mittwoch, 28. Dezember 2005

Muss es immer Kaviar sein?

Meine schönsten Gourmet-Erinnerungen sind nicht mit Kaviar, Hummer, Champagner oder Rinderfilet verknüpft. Nein - sie sind mit Freunden an einem großen Tisch, mit viel Familie in trauter Runde, mit einem lieben Menschen auf der Picknick-Wiese oder mit Sportfreunden auf Hütten, friedlich schmausend, verbunden. Jedesmal gab es dabei einfache Küche, aber die Gerichte waren mit sehr guten Grundzutaten und viel Liebe gekocht. Ob nun ein hinterhältig scharfes Curry aus Indien, ein biederes Rahmgulasch mit viel Kartoffeln, knackige Rohkost und unverschämt duftender Ziegenkäse oder herzhafter Kaiserschmarrn mit viel Puderzucker, Mandeln und Rosinen. Der Geschmack liegt mir heute noch auf dem Gaumen. Essen schmeckt nur richtig in Gesellschaft, denn man teilt, man sorgt sich um den anderen, ob er noch was will, man tauscht unwillkürlich Rezepte aus und lüftet dabei einige Gewürzgeheimnisse. Man scherzt, man lacht, man fühlt sich wohl - und das Essen hat dabei die Menschen verbunden. Also, wenn Sie feiern oder einladen wollen: Denken Sie immer daran, dass es gute Grundzutaten sein müssen, um ein gutes Gericht kochen zu können. Ob Sie nun Spaghetti, Schnitzel oder einen Braten zubereiten, vollkommen egal. Hauptsache das Essen auf dem Tisch verbindet die Menschen. Und Kaviar wird doch sowieso nur gegessen, weil er als Statussymbol so teuer ist ... aber lesen Sie unbedingt den Kult-Klassiker von Mario Simmel "Es muss nicht immer Kaviar sein".

Sonntag, 25. Dezember 2005

Warmes Bad an Silvester?

Sinnieren Sie noch immer, was Sie an Silvester kochen sollen? Gehören Sie auch zu den (Genuss)Menschen, die so viele leckere Rezepte kennen und sich nicht entscheiden können? Eventuell kann ich Ihnen dabei helfen, ihr Rezeptekarussell im Kopf zu stoppen: Wie viele Personen kommen? Sind Eigenheiten wie Allergien zu berücksichtigen? Vegetarier oder nur Fleischesser? Heutzutage is(s)t es nicht mehr so einfach, getreu dem Motto: "Friss oder Stirb", einfach den Pott auf den Tisch zu stellen.
Doch wie wäre es mit einer Bagna Caouda? Jenem "warmen Bad" aus Italien, in das Köstlichkeiten aller Art gedippt werden können. Im Originalrezept zwar nur Rohkost, aber wir sind ja flexibel. Schälen Sie dazu 3 Knollen Knoblauch (oder mehr) und kochen Sie diese Zehen in 1 Liter Milch bei mittlerer Hitze in etwa 45 Minuten zu Brei. Gehen Sie dann mit dem Mixstab durch den Topfinhalt und gießen Sie etwa 250 ml gutes Olivenöl dazu. Mit zwei gehackten Sardellen und grob geschrotetem Pfeffer ist die Würzung perfekt. Dann umfüllen in den Fonduetopf und auf den Tisch stellen. Jeder kann nach Lust und Laune dippen: Brot, Champignons, Rosenkohl, Zucchini, Fenchel, Garnelen, Birnen- und Apfelstücke, Paprika, Schinken, Oliven - alles was das Herz begehrt. Wenn die Flüssigkeit langsam einkocht, immer wieder Brühe oder Wein einrühren. Und keine Angst vor dem Knoblauch, denn er ist entsprechend eingekocht und nicht mehr so duftend gefährlich. Ich wünsche Ihnen einen schönen Schubser nach 2006, auf dass die Korken knallen wollen!

Donnerstag, 22. Dezember 2005

Je heiliger die Zeit, desto böser die Leut!

Letztens im Radio wusste ein Hörer nicht, warum wir Weihnachten feiern, geschweige denn, wo das Jesuskind geboren wurde und wie die Heiligen Drei Könige hießen. Das ließe man ja noch durchgehen, wenn dieser Hörer, der ja bestimmt stellvertretend für eine Menge von Menschen steht, sich bewusst wäre, dass Weihnachten auch was mit Besinnung zu tun hat.
Apropos Sinne, die sind es wert, dass man sie öfter schleift, "bekuschelt" und notfalls nur streift. Lassen Sie sich doch fallen und gehen Sie dem Kommerz, dem Geschenkerummel und der hektischen Vorbereitung aus dem Wege. Es ist ganz einfach: Nicht mit der Masse mitmachen. Ganz gezielt im eigenen Kreis die Geschenke abschaffen oder reduzieren. Denn, können wir uns noch über jedes einzelne Geschenk freuen oder ist es nur ein Austausch von sogenannten Höflichkeiten? Mein Vorschlag für entspannte Tage: Einfach das tun, wonach einem ist. Im vertrauten Kreis auf schöne Gespräche bauen, die Seele kitzeln, das Herz sprechen lassen. In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern und Leserinnen eine herzerwärmende Weihnacht mit menschlichen Geschenken!!!

Dienstag, 20. Dezember 2005

Freunde isst man nicht!

Die Natur hat es so eingerichtet, dass alles was wir essen, vorher sterben muss. Ob nun der Tiger das Zebra frisst, das Zebra den Blätterbaum abnagt, der Vogel die Würmer verspeist oder der Mensch Fleisch, Fisch und vegetarische Lebensmittel isst. Das ist der Kreislauf unseres Lebens, ohne den unser Überleben nicht gesichert wäre.
Doch wie mutet es sich an, wenn, wie in meiner Kindheit geschehen, es an Weihnachten Gans gibt und wir vorher mit jener noch munter spielten und ihr sogar einen Namen verpassten? Es herrschte Revolte am Tisch und wir bezichtigen unsere Eltern als "Gänsemörder".
Oder Sie bestellen Fisch im Restaurant und bekommen ihn als Ganzes serviert. Beim Anblick der traurigen Augen habe ich schon oft behauptet, ich wäre praktizierende Buddhistin und schob die Platte meiner Begleitung zu.
Unlängst saß ich in einem Restaurant, das in ein Aquarium eingebettet ist. Wir bekamen alle Sushi, gebratene Riesengarnelen und gegrillte Doraden. In unmittelbarer Nähe schwammen Haie und Rochen. Beim ersten Biss in das "tote Fischfleisch" fragte ich mich doch ernsthaft, was diese Fische wohl von mir denken: "Fischmörder?"



Wie gesagt, der Kreislauf der Natur lässt uns keine Wahl, aber wir sollten keine Freunde essen und nicht vor ihnen zu Kanibalen werden. Wohl gemerkt, das sind alles so adventliche Gedanken, die einem beim Essen durch den Kopf schwirren. Guten Appetit!

Montag, 19. Dezember 2005

Donhauser über Donhauser

Es gibt nicht viele Menschen, die von sich behaupten können, dass sie ihren Beruf über alles lieben. Ich kann das, weil ich über die schönsten Dinge der Welt schreibe und dabei eine Art Berufung erfahre. "Essen, Trinken, Lieben und Reisen", das sind meine Bereiche, mit denen ich mich schon mein ganzes Leben lang beschäftige.
Die Themen sind schier unerschöpflich. Bereits über 130 Kochbücher habe ich veröffentlicht und das Credo lautet stets: "Wer nicht genießt, wird ungenießbar".
...und ich bin dem (vielfältigen) Genuss noch immer auf der Spur und lerne dabei auf meinen zahlreichen Reisen, dass die Dinge nicht immer so sind, wie sie sind, sondern wie man sie betrachtet.
Falls Sie mehr über meine Arbeit erfahren möchten, besuchen Sie einfach meine Homepage www.donhauser-essklasse.de.
Mailen Sie mir Ihre An- oder Einsichten, vielleicht können Sie einen Spruch von mir teilen: Do what you love and the money (or satisfaction) will follow.

Liebespaare in der Küche

Wie in der Liebe braucht es auch in der Küche bei der Harmonie der Produkte sehr viel Fingerspitzengefühl. Wir wissen zwar von der Basis her, was zusammengehört, aber der "berühmte aromatische Kick" macht es eben aus. Tomate liebt Mozzarella, aber was wären sie ohne Basilikum? Essig und Öl, aber was wären sie ohne die erfrischende Würzung von Knoblauch? Feste bestehende Verbindungen wie Salz & Pfeffer sehen da geflissentlich darüber hinweg, denn sie sind Alleskönner; sogar Gönner. Doch da gibt es den Einzelgänger der Dominanz, der pur auf die Geschmacksnerven zielt: Aber sie kitzeln uns nicht richtig, weil sie einseitig schmecken. Lieber gehen wir einen Flirt ein! Da blinzelt der frische Beifuß die zarte Entenbrust an, der frische Fisch treibts am liebsten mit der Zitrone und der elegante Kaviar verbündet sich mit der trolligen Kartoffelknolle. Und die Moral von der Geschicht: Tiefe Beziehungen brauchen auch in der Küche den kleinen, originellen Aromat-Schubser. Denn nur so kann die Liebe beflügelt, können die Sinne neu geweckt werden und ein neues Geschmackserlebnis entstehen.

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